Leder – die Basis für hochwertiges Schuhwerk?
Auf die gewöhnliche Frage „welche Schuhe sind qualitativ gut?“ bekommen wir oft die Antwort – Lederschuhe! Ist das eine Tatsache oder nur ein Mythos aus der Vergangenheit, als gerade so bezeichnetes Schuhwerk das teuerste auf dem Markt war?
Schauen wir uns also das Leder am Schuh genauer an.
Zunächst muss man sich klarmachen, dass Haut ein sehr weiter Begriff ist und im Zusammenhang mit Schuhen falsch. Haut ist nämlich ein Rohstoff, der weiterverarbeitet wird. Die für die Verwendung in der Schuhmacherei und Galanterie aufbereitete Haut nennt man LEDER.
Es ist Haut, verarbeitet in einem Betrieb namens Gerberei. Rohhaut wird zuerst gereinigt und von Haaren befreit. Anschließend wird sie in riesigen Fässern gemischt, wo sie von Fetten befreit und konserviert wird. Dieser Konservierungsprozess ist nötig, damit in der Haut kein Fäulnisprozess einsetzt und das Produkt später nicht verdirbt. So „gegerbte“ Haut ist ein fertiges, handelbares Zwischenprodukt, das „wet-blue“ genannt wird.
Dieses Zwischenprodukt wird weiter zum gewünschten Art und Typ verarbeitet, Farbstoffe und das finale Aussehen werden aufgebracht.
Nach diesen Prozessen ist das fertige Produkt LEDER, das wir in der Fertigung zu verschiedenen Teilen des Schuhoberteils ausstanzen können.
Kommen wir aber zur Finalisierung zurück, wo sehr wesentliche Dinge geschehen. Nach Kundenwunsch entstehen hier 3 Lederarten – Narbenleder, Nubuk oder Spaltleder. Neben dem Aussehen haben sie auch unterschiedlichen Charakter.
Das Grundleder, das von europäischen Produzenten stammt, hat vor der Verarbeitung eine Stärke von etwa 2,5–4 mm. Beim Verarbeiten wird es auf dünnere gewünschte Stärken gespalten.
Nach dem Spalten eines Leders entstehen uns in den meisten Fällen 2 Leder – eines von der Narbenseite, das andere von der Fleischseite.
Das Leder, das von der Narbenseite entsteht, nennen wir „Narbenleder“.
Das Leder, das von der Rückseite bleibt, nennen wir „Spaltleder“ oder gespaltenes Leder.
Spaltleder hat gegenüber Narbenleder geringere Dichte und ist weniger fest, andererseits aber hoch atmungsaktiv und weicher. Sein typisches Aussehen ist mit kurzem Flor, volkstümlich lässt es sich „Wildleder“ nennen. Diese Lederart wird vor allem für Sport- und Straßenschuhe verwendet. Bei großer Stärke lässt sich jedoch eine hohe Festigkeit des Leders verbunden mit sehr guter Atmungsaktivität erreichen. In unserer Kollektion haben wir das Modell REGE mit Leder von 2,0 mm Stärke oder das Extrem – LOGGER TREK, das Leder von bis zu 3,0 mm Stärke hat!
Narbenleder ist dagegen sehr fest und widerstandsfähig auch bei geringeren Stärken. In niedriger Stärke von ca. 1,0–1,4 mm wird es für Herren-Luxusschuhe, Damenstiefel und Ähnliches verwendet.
In höheren Stärken etwa ab 1,6 mm wird diese Lederart für technisches Schuhwerk verwendet. Das bedeutet Polizeischuhe, Militärschuhe, aber auch Spezialschuhe für Feuerwehrleute und Holzfäller. Das Leder hat mehr oder weniger Glanz und feine Narbung. Auf dem Leder sind natürliche Zeichen sichtbar, zum Beispiel Falten, kleine Kratzer oder Stiche.
Wenn man jedoch auf dem Narbenleder die Narbe leicht anschleift, bekommt das Leder ein mattes Aussehen. Diesen Typ nennen wir Nubuk oder Nubukleder. Bei erhaltener hoher Festigkeit gewinnen wir so verbesserte Atmungsaktivität. Dieser Ledertyp ist wiederum charakteristisch für sogenannte Trekkingschuhe oder einen anderen Typ technischen Schuhwerks.
Auf unseren Modellen haben wir jedoch auch Leder mit anderem Charakter. Auf den Modellen ARTUN WX oder CALEDON WX ist stark gewachstes Nubukleder verwendet, das dem Schuhwerk ein spezifisches Aussehen gibt.
Eine weitere Kategorie von Ledern sind jene für spezifische Verwendung. Zum Beispiel feines dünnes Leder an der Zunge oder am Kragen ist speziell behandelt – gewalkt, damit die nötige Weichheit erreicht und die Festigkeit erhalten bleibt.
Es gibt noch einen speziellen Typ technischen Leders mit Polyurethanauftrag. Den verwenden wir als Umrandungen zum Schutz gegen das Abstoßen oder an Winterschuhen als Schutz gegen Eiskruste. Polyurethan ist sehr widerstandsfähig, und zusammen mit Leder haben wir so ein modernes Material mit klassischem Charakter.
Ist Leder wirklich die beste Wahl für Schuhe?
Als Alternative gibt es Mikrofasern und Mikrofasern mit Auftrag, die eine breite Palette an Optiken und Eigenschaften haben. In vielen Fällen findet man den Unterschied zwischen natürlichem und alternativem Material erst unter der Lupe oder dem Mikroskop.
Zugunsten des Leders spricht eindeutig seine Umweltfreundlichkeit. Leder ist ein Naturmaterial, und damit ist auch sein Abbau in der Natur schneller als bei den genannten Ersatzstoffen. Die Kollagenfasern im Leder können bei richtiger Pflege das Leder lange in guter Kondition halten.
Die negative Seite des Leders? Zum Ersten, dass es unvergleichlich teurer ist und dass in der Fertigung Menschen sein müssen, die die Regeln des Ausstanzens von Leder beherrschen.
Andererseits sind moderne Hautersatzstoffe vom Blickwinkel der technischen Parameter her deutlich besser. In unserer Kollektion haben wir das Modell GRIFIT, das genau ein Oberteil aus Mikrofaser in Nubukoptik hat. Gegenüber Leder mit gleichem Aussehen und gleicher Stärke hat dieses Obermaterial unvergleichlich höhere Festigkeit, deutlich höhere Atmungsaktivität, lässt sich in jede beliebige Farbe färben und kann auch ohne Pflege Jahre dienen, ohne Eigenschaften zu verlieren.
Das Negative? Dadurch, dass die Fasern aus Erdölprodukten sind, ist ihre Umweltfreundlichkeit strittig.
Damit kommen wir zur Antwort auf die Frage aus dem Titel des Artikels. Also Hand aufs Herz: Würden Sie teures Schuhwerk kaufen, das nicht aus Leder ist?